Christoph Geiser

Der Angler des Zufalls: Rezensionen


Literatur dürfe unanständig sein und sie müsse Grenzen verletzen, lautet ein zentraler Bekenntnissatz dieser Sammlung, Auch die Grenzen zwischen den Künsten verschwimmen dabei, Malerei, Musik und Literatur bilden das Fundament einer radikal ästhetischen Weltsicht...

 

Sabine Doering, FAZ, 28. September 2009

 

 

Wie die die Angst vertreibende Kraft der Sprache sich zunehmend Geltung verschafft und an Eigenart gewinnt, das lässt sich aus der Reihenfolge der vorliegenden Texte ablesen. Geiser, ohnehin kein Autor behauptender Sätze, schreibt anfangs (sieht man von den frühen – wenigen! – Gedichten ab) beinahe stockend, zögerlich, bewusst Verzögerungen in die Satzabläufe einbauend. Mit der Zeit gewinnt die Sprache einen anderen, spezifischen Rhythmus, sie drängt vorwärts, zieht mit. Dafür häufen sich auffällig die Fragesätze, die Fragezeichen. Simple Gewissheiten, die gibt es bei Geiser nie und nirgends.

 

Charles Cornu, Der Bund, 7. September 2009

 

 

Ob Wiepersdorf oder New York City - es bleibt sich überall für Christoph Geiser gleich: Schreiben ist Leben. Und auch das Schreiben mit den neuen elektronischen Instrumenten stellt er dar als verflixt faszinierende Weltaneignung.

 

Tilman Krause, Die Welt, 12. September 2009

 

 

Geiser ist zwar kein Mann der allzu direkten, dafür der ungeheuerlich mächtigen Worte. Kaum ein anderer zeitgenössischer Schweizer vermag derart radikal und souverän, klangvoll und poetisch mit Sprache umzugehen wie Christoph Geiser. Für ihn ist das Schreiben Lebensnotwendigkeit, täglicher Kampf um Worte und Bewältigung der eigenen Geschichte in einem.

 

Axel Schock, Display, September 2009

 

 

Wer sich von den Wortverdrehungen in Geisers letztem Roman hat abschrecken lassen, sollte ihm noch eine Chance geben, das Buch zu Ehren seines 60. ist nicht nur lesbar, sondern wirklich toll. In der Sammlung von veröffentlichten und unveröffentlichten Szenen lässt Geiser wissen, wie, worüber und warum er schreibt. „Nur wenn ich schreibe, habe ich keine Angst.“ Es geht um Poesie und Politik – und um junge Männer. Immer wieder taucht das verbotene Begehren auf, in zarten Andeutungen, dann in pornografischen Bildern, und verschwindet verstohlen nach zwei Sätzen. Der aus Angst geborene Zwang zu schreiben und wohl auch die Sublimation haben ihn eine ungeheure Sprachmacht entwickeln lassen. Sie lassen ihn Sätze schreiben, die so schön sind und so gut gebaut, dass man sie laut singen will.

 

Stefan Mey, Männer, August 2009

 

 

„Der Angler des Zufalls“ trägt Texte zusammen, die die Emanzipation des Autors von der Sprache und zugleich die Befreiung der Sprache vom Autor dokumentieren. Am Ende der Lektüre glaubt man begriffen zu haben, dass eine befreite Sprache nicht nur die Möglichkeiten erweitert, Fantasien mitzuteilen, sondern dass die befreite Sprache selbst Fantasie besitzt. Die Verselbständigung von Sprachspielen ist auch ein Produkt zügellosen Fantasierens der Sprache, nicht nur ein Produkt der zügellosen Fantasie des Autors.

  

Sarah Pogoda, literaturkritik.de, September 2009

 

 

"Keine Melancholie, die nicht durch den jeder Schreibszene eigenen Humor wieder aufgehoben würde, kein Scheitern der Liebes- oder Lebensgeschichte, das nicht ein „Anfang" wäre für die Sprache. Wo die Autoren zum Ende kommen, setzt der Schriftsteller wieder einen Beginn."

 

Boris Gibhardt, Siegessäule, Januar 2010

 

 

 

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