Christoph Geiser

"Geiser nimmt seine Leser auch mit auf eine rasante Achter- oder Geisterbahnfahrt. Er führt – geistvoll und geistreich, gelegentlich kalauernd, oft abgründig, immer erzgescheit, gelegentlich locker parlierend, dann wieder fast fiebrig und immer die Leser direkt mit einbeziehend – in Museen, in Bücher, sogar noch vor den Fernseher."

 

Charles Cornu, Der Bund, 12. August 2008

 

 

"Geisers Worte fliegen an, aber nicht in den Himmel, und auch seine Gedanken bleiben unten, am Schreibtisch der Erregung. Er ist «der Ort aller Lust». Hier «besteht» der Dichter «als Nachdenklicher». Er weiss: Kein Regelverstoss am Himmel kann den seinigen rechtfertigen. Im Gegenteil: Er stürzt auch diesen noch in den Abgrund und macht den Abstand zwischen Himmel und Erde nur noch deutlicher. Aber es ist dieser Abgrund, aus dem der Schriftsteller Christoph Geiser immer wieder erwacht."

 

Samuel Moser, Neue Zürcher Zeitung, 30. September 2008

 

 

"Geiser hat in seinen Romanen gern abgerechnet, ohne sich selber zu schonen. Seine Literatur begann er als Feldzug gegen die Bürgerlichkeit. ... Mittlerweile ist Geiser fast sechzig geworden, die Utopien sind Vergangenheit, doch immer noch schaut er scharf in die Welt hinaus und in seine Bibliothek hinein und ist nicht sparsam mit seinen Kommentaren. ...

Im Mittelpunkt seiner Erregung steht der 11. September 2001. Wie er mit diesem Thema umgeht, mag stellenweise wie eine neubarocke Fantasterei anmuten. Doch diese "poetische Endlosschleife" ist weder exhibitionistisch noch zynisch, sondern der mutige Kraftakt eines hilflosen Einzelnen, der sich mit seinem Wissen und seiner Erfahrung dem unerhörten Ereignis stellt, um sich der totalen Resignation zu verweigern."

 

Paul L. Walser, WoZ, 2. Oktober 2008

 

 

"Der Titel "Wenn der Mann im Mond erwacht" ankert in einer dunklen Innuit-Saga von der Deckungsgleichheit von Sonne und Mond und ist nach "Die Baumeister" und "Über Wasser" der dritte Teil einer "Trilogie des Scheiterns": Tragikomisch und letztlich lustvoll."

 

www.inforadio.de

 

 

"Es ist unmöglich, sich dem Erzählen zu verweigern, selbst dann, wenn sämtliche Erzähltechniken ad absurdum geführt werden, findet noch Erzählen statt.

Und hier schließt die Legitimationskrise des Erzählers den Kreis zur Frage des Ereignisses: Denn was ist Geisers Erzählen anderes als ein Sich-Ereignen von Diskursen, so vehement und polemisch auch gegen dessen Regeln verstoßen werden soll? Und birgt sich darin nicht auch ein Erlösungsversprechen? Die Rettung aus der Bedeutungslosigkeit, die sich hinter der ereignislosen Diskurstotalität verbirgt, und somit die transzendente Überwindung der Welthaftigkeit per Dichtung?"

 

Sarah Pogoda, literaturkritik.de Nr. 10, Oktober 2008

 

 

"Ohne festen Grund schwebt der Leser auf dem Klangteppich der Worte, wird hin und hergewirbelt, spürt die Lust des Autors an seiner Arbeit, die einzige Rechtfertigung dieses Buchs vielleicht. Er spürt die Ironie, den Witz, ein Lachen der Verzweiflung, lacht selbst und verzweifelt, wenn er sich im Text verliert, sich dann doch wieder fragt, was das Ganze überhaupt soll."

 

Detlef Grumbach

 

 

"Zentral ist für diesen skeptischen Romantiker die Frage, wie nach dem Ende der Utopien die Suche nach dem Absoluten - in der Kunst, in der Liebe, in der Politik - überhaupt noch möglich ist."

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2009

 

 

 

"Er hat der allgemeinen Auflösung nichts entgegenzusetzen. In einer raffinierten Volte macht er aus der Not eine Tugend – er vollzieht die Auflösung mit. Seine Sätze durchsetzt er mit Ausrufen und Fragen, fällt sich ins Wort, meldet sich aus wechselnden Positionen als Ich, als Wir, als Du. Zahllose Konversationsfloskeln begleiten seine Rede. Diese Bruchstücke aus einem verloren gegangenen Zusammenhang sind indes die heimlichen Nothelfer der Dekonstruktion."

 

Rudolf Bussmann, NZZ am Sonntag, 22. Februar 2009