Das Gefängnis der Wünsche
Roman, Zürich und Frauenfeld: Verlag Nagel & Kimche, 1992
Bei Ihrem Buchhändler oder bei gaybooks
Dass der Autor für dieses neue Buch im literarischen, biographischen, historischen Umfeld seiner beiden Protagonisten – Marquis de Sade und Goethe – eingehend recherchiert hat, ist eines und macht die Anschaulichkeit und authentische Präsenz seines Textes, ein anderes aber und das eigentlich Imponierende, wie das Rechierte seine Sache und ganz und gar Literatur geworden ist. (...)
Kopfkino: Inszeniert – und das ist die glückliche perspektivische Erfindung – von einem dramatisch sprechenden und nur in diesem Sprechen auf intensivste Weise anwesenden Ich, das in einem permanenten antwortlos monologisierenden Dialog mit den Protagonisten steht. Nicht festzulegen in seiner nervös einfühlenden, voyeuristisch-obszönen, eindringlich-zudringlichen und wieder höhnisch wegzuckenden, vorsichtig fragenden, behutsam-fürsorglichen, ironisch-distanzierten Annäherung. Mit diesem Sprecher-Ich, seiner temporeichen, kunstvoll fragmentierten Sprache, gewinnt der Text eine fesselnde Unmittelbarkeit und fast bühnenhafte Präsenz. Und wenn er auf der einen Seite monoman gefangen wirkt, ist er auf der andern doch wunderbar lebendig: nirgendwo mechanische Kälte, überall die Wärme leidenschaftlich-obsessiver Auseinandersetzung.
Elisabeth Binder, Neue Zürcher Zeitung, 1992

