Mitteilung an Mitgefangene
Lyrik, Lenos Verlag, Basel 1971
Einer der Dienstverweigerer, die "friedlich in ihren Zellen meditieren", ist Christoph Geiser, 1949 geboren, zu dreimonatiger Haft verurteilt. Während der Haft hat er Gedichte aus den Jahren 1967 bis 1970 zu einem Band vereinigt, dem er den Titel Mitteilung an Mitgefangene. Für die Insassen der Strafanstalt Oberschöngrün Solothurn gegeben hat. Die letzten Gedichte – "In der Zelle" – sind während der Haft entstanden, aber das ist – anders als man vermuten möchte – keine Politlyrik; es sind traurige Lieder eines erstaunlich sanften Naturells, in dessen Gedichten von Träumen, von Regen, Tod und Nacht die Rede ist und dem so eindrücklliche Texte wie dieser gelingen:
kein morgen
kein wind
keine krähen
in den ästen
wartet laub
den mond
vergass ich
zwischen den gittern wächst
frost
die steine waren noch warm
als ich starb
Zuger Tagblatt, 2. Juni 1971

